Es gibt Stadtmöbel, wie Bänke, Stühle, Tische und öffentliche Grillplätze. Für Jedermann – meint man. Stimmt aber nicht so ganz, wie Jasmin bereits im Beitrag Reclaim the streets anschaulich geschildert hat. Folgendes Foto treibt den Mangel an Verständnis vom “gutbürgerlichen Anwohner” auf die Spitze:
Wer auf dieser Bank sitzen will, muss Münzen einwerfen, damit die Nägel auf der Sitzfläche runtergefahren werden… Ist eine Kunstinstallation, hilft aber zu verstehen, was Vertreibung vom öffentlichen Raum bedeutet.
Ein ganz anderes Modell des Stadtmöbels ist Studenten an der TU Berlin gelungen:
Mit ein paar Handgriffen werden aus den Sichtschutzkästen in den Fensternischen der Umkleidekabinen (von Schulen und Sportvereinen) Betten für kalte Tage.
Doch wie geht (ging) es Wohnungslosen wirklich? Hierzu wurde eine Umfrage vom Armutsnetzwerk entwickelt. Der Zweck der Untersuchung “Ohne Wohnung 11-12.” ist es, die Politik mit der Realität und den bestehenden Gesetze zu konfrontieren. Den Wohnungslosen soll eine Stimme im Prozess der Politikgestaltung geben werden. Es sollen Empfehlungen für die politische Gestaltung entwickelt werden. Die Ergebnisse der Untersuchung werden den Beteiligten auf europäischer Ebene präsentiert werden (EAPN, FEANTSA,…).
Die Stadt ist kein öffentlicher Raum. Sie erscheint auf den ersten Blick zugänglich für alle. Die Stadt bietet vermeintliche Räume des Aufenthalts, wie Fußgängerzonen, Spielplätze oder Parkbänke, damit sich ihre Besucher zwischen den Geschäftszeiten kurz ausruhen, um dann gestärkt mit voller Kraft weiter konsumieren zu können. Doch nach 20h, da möchte die Stadt nicht, dass wir es uns gemütlich machen. Besonders schlimm ist das für Menschen, die nicht nach Hause können, die die Stadt ihr Zuhause nennen, welches ihnen Obdach bietet. Dann wird die Stadt hart und fährt ihre Krallen aus.
Verdrängung?
Die Stadt gehört jenen, die nur zu Besuch sind, nicht denen die tatsächlich darin wohnen. Hat man Geld, kann man es sich im Café gemütlich machen. Hat man nichts, um zu konsumieren, kann man in der Stadt nicht ruhen. Für diejenigen werden Schranken in Form von Konsumtempel errichtet und Orte der Verspannung geschaffen. Es mutet absurd an, wenn man sich beispielsweise diese Zäune gegen Obdachlose in Hamburg anschaut:
Hindernisse werden errichtet, um Obdachlose fernzuhalten, um sie zu verdrängen. Die Frage “wohin” oder dass es für sie kein “dorthin” gibt, spielt keine Rolle. Die Künstler der Survival Group sammeln fotografische Belege des städtischen Krieges gegen seine Bewohner.
Die Fotos können sich einer grotesk-komischen Wirkung nicht entziehen. Gezielte Abwehrhaltung als Gestaltungsmaxime legt diese Fotostrecke offen. Sie entlarvt die Waffen der Stadt und die Verdrängung aus dem vermeintlich öffentlichen Raum. Was ist das Ziel und wo liegen die Fronten, fragt man sich. Wer kämpft hier gegen wen? Die Stadt – als eigentlich freier Ort der Begegnung und des Austauschs – ist längst nicht frei. Verdrängung und Hast statt Rast scheinen die gestalterischen Leitlinien zu lauten…
Holt euch den Raum zurück, hackt und öffnet ihn.
Doch es gibt eine Antwort auf diese Bewegung. Reclaim the streets! Holt euch die Straße zurück, denn sie gehört euch. Die in den 90er Jahren in London gestartete Bewegung “Reclaim the streets” trägt den Grundgedanke, sich den öffentlichen Raum zurückzuholen und wieder für alle Menschen und Individuen zugänglich zu machen – egal ob mit oder ohne Geld in der Tasche. Mit Sofas, Fernseher und Rollrasen sollten Autos von den Straßen in London verbannt und Straßen zum Vorgarten und Wohnzimmer der Passanten werden.
Nehmt euch was euch zusteht. So geschehen unter anderem in der Urban Hacking School, die den öffentlich Raum zurückerobert. Durch gezielte Eingriffe, werden vorhandene Elemente genutzt und zweckentfremdet. Es entsteht eine nicht-intendierte Nutzungsweise, die oftmals entgegengesetzt zur ursprünglichen Absicht steht. Der Raum erfährt eine Re-Humanisierung und schafft Inseln zum (zumindest kurzen) Verweilen, wie beispielsweise diese Bank aus Pflastersteinen:
Aber auch der Balkon von Vladimír Turner schafft einen Raum, der offen ist für seine urbanen Bewohner, anstatt sich ihrer zu verschließen.
Das Motto Rast statt unbequemer Hast verfolgen auch diese Ideen, bei der mit einfachen Mitteln Parkbänke zum Bett umfunktioniert wurden und somit zum längeren Verweilen oder sogar Übernachten einladen (Siehe Beitrag auf Nachhaltigkeitsguerilla).
Rastmöglichkeiten müssen jedoch nicht immer provisorisch und temporär sein. Sie können von Stadtentwicklern aufgegriffen und integriert werden, wie diese Schlecht-Wetter-Bank zeigt. Sie ist vielleicht ein Anfang, um unsere Städte wieder humaner und dennoch schön zu gestalten…?
Heute und gestern fand in den Räumen der Stadtmission in der Lehrter Strasse in Berlin die Nationale Armutskonferenz 2011 statt. In der Hoffung meinen Fragebogen (vgl. Obdachlosen-Uni) unter die Leute zu bekommen, bin ich dann dort mal hingegangen.
Zu erleben gab es interessante Vorträge und schöne Arbeitsgruppen. Wie nicht anders zu erwarten, bin ich in der Arbeitsgruppe ‘Öffentlichkeitsarbeit für die Nationale Armutskonferenz’ gelandet. Unsere Ideen sind demnächst unter www.sozin.de einzusehen.
Zwei sehr sympathische Ideen möchte ich an dieser Stelle kurz anreissen:
(Bild: CSD 2009, Bildquelle: Stephan K.)
- Hundemasken:
Setzt Euch Hundemasken auf und fahrt somit schwarz mit den Öffentlichen (denn Hunde zahlen keine Tickets und fahren kostenlos). Was damit ausgesagt werden soll? Na, dass Obdachlose, Erwerbsarbeitslose und alle anderen Menschen mit Armutserfahrungen viel zu viel für die öffentlichen Verkehrsmittel zahlen müssen und dass es ihnen schlechter geht, als so manchen Hund, der kostenlos mitfahren darf. Unflexibler als ein Hund quasi… Ich möchte hiermit aber ausdrücklich niemanden dazu verleiten, dies wirklich zu tun. Ist nur so eine Idee, die natürlich NICHT zu empfehlen ist, da verboten, und was verboten ist, meine Dame/mein Herr, wird auch nicht gemacht!
- Flohmarkt mit nix
Mietet einen Flohmarktstand und verkauft nix, denn Ihr habt nix. Ich finde, dies ist eine eingängliche Idee, um den Leuten zu zeigen, wie es ist, nix zu haben. Man kommt bestimmt mit den einen oder anderen Flohmarktbesucher ins Gespräch.
Beide Idee könnten am 17. September umgesetzt werden (also übermorgen), denn dann ist Weltarmutstag.
Im Jahre 2004, als frischgebackener Diplom-Kommunikationswirt, ging ich mit meinem tollen Konzept hausieren. Meine Mission: “Business-TV zur Steigerung des Stakeholder Values”. Zurerst muss mal herausgefunden werden, welche Ansprüche bestehen bei den Stakeholdern einer Company. Was will also das Volk von dem Unternehmen (ausser natürlich deren scharfen Produkte kaufen)? Wie kann sich eine Unternehmung abheben von der Konkurrenz? Wie auf sich aufmerksam machen, aber vor allem auch: Wie kann sich ein Unternehmen als guter Nachbar positionieren?
Corporate Citizenship is the Key.
Klar, das ist nichts Neues und jede Company hat das lääängst begriffen – jedenfalls die Abteilung für Corporate Citizenship und der Vortragende bei dem “Nachhaltigkeitscamp der DAX-Leader”.
Doch the real world spielt ein anderes Spiel.
Letztens gehe ich doch mit der Hohenschönhausener Roller-Crew von Geschäft zu Geschäft, um ein paar Preise für die Gewinner der Rolli-Meisterschaft zu akquirieren und, naja, das ‘Gute-Nachbar-Geschäftsmodell-aus-der-Chefetage’ ist noch nicht angekommen, meine Herren (laut Corporate Behaviour müsste es wohl ‘meine Damen und Herren aus der Chefetage’ heissen, aber das mit der Geschlechtergleichberechtigung wird wohl ebenso ein Fake sein, wie die Corporate Citizenship Lüge), denn der gestresste Lxdl-Manager empfing unsere Rolli-Crew mit den Worten “sowas machen wir gar nicht” (und das, obwohl es sich um eine Flasche Wein für den Sieger handelte, die wir als Sponsoringleistung gern empfangen hätten). Der Rxwe-Bursche war da schon zuvorkommender: “Ja, ich gebe Euch zwei Präsentkörbe, wenn Ihr uns ein paar Zeitungsausschnitte für unsere Aussendarstellung gebt”. Mit dem B. Z. – Artikel, “Wer rollt mit uns um die Wette?” in der Tasche, sollte es dann stolz in Richtung Rxwe gehen, doch dann kam der Anruf: “Wir ziehen unsere Präsentkörbe doch zurück – dürfen wir nicht”. Aha? Dürfen sie also nicht…
Hey Chef, kannste mal in der Filiale in Hohenschönhausen anrufen? Ein, zwei Präsentkörbe für die Gewinner des Rolli-Geschicklichkeits-Parcoures wären schon schön
Viva la Revolution! Ach, ich nutze die Gelegenheit, um “Prince and the Revolution” zu promoten – und Prince meinte gewiss nicht die gefakte CSR-Revolution vom Rewe-Chef!
Veröffentlicht am 10. August 2011 by EdelsAlterEgon
‘Renate never sucks’ ist das Erste, was mir einfällt, wenn ich die neuen Werbeplakate der Grünen sehe. Und das, obwohl die Nachhaltigkeitsguerilla prinzipiell ja eher Grünen-nah ist… Renate sorgt sich. Renate arbeitet. Ach toll, was die neue Übermutti Theresa so alles macht. Nur das Saugen, das überlässt sie wohl eher anderen, oder?
(Bild: ‘Renate saugt nimmer’ bzw. ‘Renate never sucks’)
…ach ja, ‘wir müssen ran an den Busen’ gehört wohl auch zur Kampagne. Ojemene, sind da immer noch die Goldenen Hirschen für zuständig? Kann ich mir nicht vorstellen, die müssen noch die Werbeagentur gewechselt haben, oder?!
(Bildquelle: The Lost Archives)
Tja, die Überschrift klingt komisch, nicht wahr? ‘Bürgertreff für Weisse und Menschen mit anderer Hautfarbe”? Was soll das nun wieder? Na, wenn sich Bürger treffen, sollte es doch selbstverständlich sein, dass alle Hautfarben willkommen sind – ich meine, warum zum Teufel denn auch nicht?
Aber: es gibt nach wie vor ‘Bürgertreffs für Menschen mit und ohne Behinderung’! Das Ziel dieser Einrichtungen ist durchaus gut und richtig, nämlich Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zusammen zu bringen und gemeinsame Aktivitäten zu starten. Gemeinsam Kiezradio machen zum Beispiel. Gemeinsam kochen zum Beispiel. Gemeinsam picknicken zum Beispiel. Und so, nach und nach, einander zu akzeptieren, Freundschaften zu schließen und voneinander zu lernen.
Trotzdem: Der Name ‘…für Menschen mit und ohne Behinderung’ hat etwas seltsam anmutendes. Warum muss das extra mit im Namen stehen? Solange soetwas extra genannt werden muss, ist es NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH, dass Menschen mit und ohne Behinderung miteinander zu tun haben – und das ist erschreckend!
Mann, heute wäre der Tag gewesen, sich mal wieder diverse Inspirationen von gleich drei Veranstaltungen in Berlin zu holen: vom Langen Tag der Stadtnatur, von den 48 Stunden Neukölln und vom 3. interkulturellen Umwelt- und Gesundheitsfestival. Ich war da so durcheinander ob des reichhaltigen Angebots, dass ich das ‘Kulturlabor Trial & Error’ schon beim Twittern dem Stadtnatur-Programm zugeordnet hatte – und dann spielt das Wetter nicht mal mit!
Nach langem Hin und Her hatte ich mich entschieden, als Erstes das ‘Fest der Dinge’ am Karl-Marx-Platz zu besuchen. Als Re- bzw. Upcyclingprojekt versprach http://www.dasfestderdinge.blogspot.com immerhin: „Tauschen und Schenken, Workshops und Aktionen rund ums Ding. Ein Aufruf zum Mitmachen und Mitbringen!“
Aber bevor der Regen losbrach, hatte ich gerade mal Zeit, schnell durch die Reihen der Aussteller zu huschen und wenigstens noch so knapp ein Beweisfoto zu schießen. Das Angebot von http://www.trial-error.org konnte ich gar nicht mehr checken.
48 Stunden Neukölln? HolK hielt's beim Fest der Dinge leider nur ein paar Minuten lang aus - wegen des Regens
Vom Regen in die Traufe
Auf dem Weg zur U-Bahn wurde es aber wettertechnisch dann doch noch mal besser. Zumindest goß es nicht mehr wie aus Kübeln. Also wollte ich kurz beim Umwelt- und Gesundheitsfestival auf dem Oranienplatz die Rap-Crew K.O. Muzik begutachten, die immerhin beim Plattenfest mit dem Motto ‘Rock fürs Klima’ in Marzahn den dritten Platz in der Kategorie ‘HipHop’ belegt hat. Unter http://www.plattenfest.com könnt ihr übrigens ihr Stück ‘Erde Feuer Wind Wasser’ hören und die Lyrics nachlesen. Darin heißt es zum Beispiel: „Sie pumpen Müll in unsere Meere, so als wären sie ein Scheißhaus./ Aber diese Welt ist ein Kreislauf.“
Und wer da auf der Website ist, kann auch gleich noch den Klima-Button drücken. Damit kann jeder ganz einfach etwas Gutes tun! Pro Klick werden 10 Cent an den ‘Zauberwald’ gespendet. Dahinter verbirgt sich ein Projekt vom ‘Orchester des Wandels’, das dort auch beschrieben wird: „In den ‘Gärten der Welt’ wird ein Wald gepflanzt – ein Märchenwald der Oper. So entsteht ein musikalischer Abenteuerspielplatz, in dem Natur und Kunst spielerisch begeistern. Zwischen Bäumen, den wahren Klimahelden, und Pflanzen können Groß und Klein dann auf die Pirsch gehen.“
Jedenfalls zurück zum Plan: Ich also zum Oranienplatz, kurz die ersten Buden angeschaut von unter anderem ‘Transition Town Berlin’ und ‘Bäume am Landwehrkanal e.V.’ und noch bevor die Rapper überhaupt auf die Bühne kamen, setze wieder der Regen ein. Damit war für mich das Ding gelaufen. Wieder ein Foto gemacht, dass ich es immerhin versucht habe – und dann ab nach Hause.
K.O. Muzik rappen da ganz hinten auch über Öko-Themen - aber da war HolK schon vor dem Regen geflohen
Mal gucken, was als nächstes ansteht. Vorgemerkt ist auf jeden Fall schon das ‘Vegan Vegetarische Sommerfest’ auf dem Alexanderplatz am 30. Juli 2011, obwohl derzeit unter http://veggie-sommerfest.de noch gar kein Programm steht. Fänd’s gut, wenn K.O. Muzik da auftreten könnten – und ‘Trial & Error’ mit ihrem Kiezmobil vorbeischauen.
Der frühe Vogel… kann mich eigentlich mal. Aber letzten Samstag wurde ich jedoch vor lauter Frühlingsgefühlen und Sonnenstrahlungen früh wach. Na, also vor 14 Uhr halt. Das ist eigentlich an sich schon ein nennenswertes Ereignis, das interessiert Euch allerdings aber höchstwahrscheinlich nur am Rand.
Besagter frühe Vogel – icke – wachte jedoch in der wohl überraschend umweltfreundliche fränkische Hauptstadt – na, Nürnberg Leute! – auf und hat sich gedacht, der kann gleich mal frische Bio-Würmer aus Bio-Äpfeln aus der Region suchen gehen. Am besten im schönen alternativen Gostenhof. So flug er – eher gesagt: er fuhr mit dem Bus – hin zur Adam-Klein-Straße bei der Bärenschanze. Da hatten ein paar Guerilleros Feines zusammengestellt: auf der Einfahrt – besser gesagt: im Durchgang zum Hof – waren Bio-Brote, -Möhren, -Zwiebel, -Käse, -Wurstware… selbst zapatische Bio-Kaffeesorten und aufregende Bio-Schokolade waren im Angebot. “Die Schokolade-Künstlerin steht übrigens hinter Dir, falls Du Fragen hast.” Eine Frau aus Schokolade? Geil! Ach so, nein. Besagte Künstlerin war nicht aus Schokolade, konnte jedoch süße Erläuterungen zu ihren Kreationen und ein bisschen darüber philosophieren, worauf tendenziell Frauen eher als Männer in Schokosachen stehen und andersrum. Selbst bei der Süssigkeiten-Auswahl kommt man also nicht aus den Geschlechtsunterschieden raus? Kumpel, du kaufst jetzt gefälligst typische Frauenschokolade und ich trotz weibliches Geschlechts typischen Männer-Espresso. Ätsch!
Am gleichen Abend durfte ich denSven Krollikowsky gleich unerwartet wieder sehen: Auf dem Schanzenbräu Bierfest, mal wieder passend Guerilla-Style auf dem alten AEG-Gelände. Veggie-Frikallen und Bud-Spencer-(Bohnen-)Pfanne gab’s am kleinen Guerilla Food-Stand. Lecker!
Da verwandelt sich der frühe Vogel gerne wieder in den Nachtvogel, um ökokorrekt auf dem Festival zu feiern. Prost Mahlzeit!
Ich musste gleich an den alten Bodycount-Hit denken, als ich den Artikel ‘Jim Caparo: neue Lebensqualität für unsere Städte mit Community Development’ auf dem Netzwerk-Gemeinsinn-Blog gelesen habe (vgl. http://www.netzwerk-gemeinsinn.net/content/view/671/46/).
In dem Artikel wird beschrieben, dass z. B. Kindergarten-Mitarbeiterinnen ein unerschöpfliches Wissen über ihre Neighborhood, ihren Kiez, haben (Gespräche mit den Kindern und deren Mütter&Väter, Ausflüge, Arztermine im Kindergarten etc. pp), aber nach Feierabend nach Hause fahren und ihren Wohn-Kiez kaum kennen und dementsprechend auch nichts verändern dort.
Jim Caparo sammelt diese Informationen der ‘sozialen Alphatiere’ (wobei KindergärtnerInnen nur eine Sparte der sozialen Alphatiere sind; auch Elternbeiräte in den Schulen, Vorstände in Sportvereinen, Leiter von Gruppierungen in den Kirchen, Vertreter der Geschäftswelt etc. gehören dazu) und stellt eine Stärken-Schwäche-Analyse für die Nachbarschaft auf – mit dem Ziel, eine Vision zu erstellen, wie der Kiez in 10 Jahren aussehen kann und soll. Der Vision folgt dann der Leitfaden, wie man es dorthin schaffen kann.
Als Beispiel nennt Caparo Fragen, wie “Wie verbessern wir die Schulen?”, “Wie kriegen wir mehr Grün, Erholungsanlagen und Spielplätze in die Gegend?”, “Wo lassen sich die Verkehrsströme entzerren, mehr Sicherheit für Autofahrer und Fußgänger herstellen?”, “Wo gibt es baufällige Häuser und Wohnanlagen, und was muss passieren, um sie wieder in einen besseren Zustand zu versetzen?” und “Wie ist die medizinische Infrastruktur beschaffen und wo liegen darin die Schwachpunkte?”. In Berlin-Prenzlauer Berg könnte eine Frage heissen “Wie erreichen wir eine Durchmischung unseres Kiezes? Wie erreichen wir eine Ent-Plastifizierung?”
Welche Fragen brennen Euch bzgl. Eures Kiezes bzw. Eurer Stadt, Eures Stadtteils, Eures Ortes auf der Zunge? In z. B. Bad Oeynhausen werden die Fragen sicherlich ganz anders aussehen als Berlin (in unserem Fall) oder in Chicago im Falle von Caparo.
Ich kann es mir richtig vorstellen. Einen Tag nach der Mode-Veranstaltung im Januar setzten sich die Clipping-Boys-and-Girls hin und googelten mal die Blogs durch, wer denn wirklich über die Awards berichtet hat bzw. ob es sich wirklich gelohnt hat, die Lachs-Stullen zu schmieren. Dann wird eine Liste angelegt, wer denn alles gebloggt hat; schön mit Screenshot, Ansprechpartner etc. pp.
Und nun, ein paar Monate später, die nächste Veranstaltung wird geplant und hups, wird die alte Excel-Tabelle wieder ausgepackt: ‘Sieh an, die Nachhaltigkeitsguerilla hat drüber gebloggt, Tim und Struppi auch und die witzige Simone erst recht. Komm, die fahren wir alle mal ab und machen ein bisschen Promo für den nächsten Event’ spricht der Chief Communication Officer zu seinem Assistenten.
Gedacht, gesagt, gemailt und schwupps geht die Mail an alle (irgendwie möglichst personalisiert) raus. Und so kommt es dann im E-Mail-Briefkasten der Nachhaltigkeitsguerilla rein:
“Wir haben natürlich Ihren begeisterten Bericht über die Verleihung des Humanity Fashion Awards im Januar gelesen und bedanken uns nochmals sehr herzlich dafür.
Am (4.) und 5. Mai wird Frau xxx, die Pressesprecherin von xxx, mit mir in Berlin sein. Wenn Sie etwas Zeit für einen kurzen Besuch hätten, würden wir Ihnen über die Vorbereitungen des nächsten “Humanity in Fashion Awards” berichten.
Wenn Sie uns an einem dieser Tage empfangen könnten würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir sagen könnten, wann es bei Ihnen am besten passen könnte. Ich versuche dann die Termine entsprechend zu koordinieren.”
Tja, nun hat die Nachhaltigkeitsguerilla gar keine Möglichkeit für Empfänge von Pressemenschen, denn wir treffen uns ja selbst nur privat bei uns zuhause oder in Parks, Bars und Bistros. Und zum anderen war unser Bericht ja gar nicht so ‘begeistert’ – vielmehr wollten wir indirekt darauf hinweisen, dass es schwerwiegende Probleme auf der Welt gibt (daher hatten wir den Bananenseidenschal als Augenbinde ‘missbraucht’ und den Jutebeutel über den Kopf gezogen, um an ‘Misshandlungsopfer’ zu erinnern).
Zur Inspiration für der Humanity Rights Fashion Awards 2012 hatten wir auf einen Blog verlinkt, der Kinder als Mienenopfer und Flüchtlingslager zeigt.
Wie auch immer: Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Gern können wir einen Champus einnehmen, Kaviar schlürfen und uns mal so unter Kollegen überlegen, wie wir die goldene Einladungskarte für VIPs zur großen Fashion Show 2012 gestalten.
PS. Ganz schön böse, darauf rumzuhacken, obwohl Ihr es nur gut meint, oder? Tja, einer muss es ja tun und so hat jeder seine Aufgabe…
Ressourcen sind endlich, Mißstände alltäglich. Das wollen wir nicht hinnehmen. Wir glauben an die "gute Sache" - und setzen uns für sie ein.
Kreativ, kommentierend, mit Aktionen oder viralen Spots ... wann immer wir Zeit, Lust oder große Wut im Bauch haben: Für eine gerechte und nachhaltige Welt.
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