Fliegender Kaffee in der Berliner Zeitung (und jetzt?)

Mensch,wer hätte das gedacht? Der Fliegende Kaffee entpuppt sich als Publikumsmagnet. Nun hat selbst die Berliner Zeitung einen Bericht über uns gemacht! (vgl. Artikel in der Berliner Zeitung: Der gute Zweck – Fliegender Kaffee).

Was auffällt ist allerdings, dass mehr Fliegende Kaffees bezahlt werden, sprich auf den Listen der Cafés ‘verweilen’, als dass sie abgerufen werden.

Es wäre also mal Zeit, dass sich das Konzept des Fliegenden Kaffee´s auch mal unter den ‘Menschen mit Armutserfahrungen’ herumspricht.

Ich poste diesen Beitrag mal bei der Facebook-Gruppe “One Warm Winter – Jacken für Obdachlose in Berlin“. Habt Ihr noch weitere Ideen, wie wir das Konzept unter den ‘Bedürftigen’ bekannt machen könnten. Ja, okay, ansprechen wäre eine Möglichkeit… Helft Ihr uns?

Digital Begging: mal etwas Freestyle-Betteln?

(‘Lazy Beggers’, Quelle: http://lazybeggers.net23.net)

Kreuzberg. Fünf Stationen mit der U1 in Berlin. Eine Ansammlung der Ärmlichkeit? Ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Ein Geben und Nehmen. Arm trifft auf Zugezogen.

„Wer möchte die aktuelle Ausgabe der Motz kaufen?“ „Wer kann Kleingeld für eine warme Mahlzeit geben?“

Auch in Parks, Straßencafés und Bars dauert es nicht lange, bis man eine freundliche Spendenaufforderung erhält. Der Helferinstinkt springt automatisch an, doch da er zehn mal am Tag anspringt, springt er auch bald leider wieder ab.

Von unserer Un-Fähigkeit des Nicht-Handelns.

Allen Aufforderungen nachzukommen, das schafft selbst der sozialste Mitbürger nicht. Das Problem – wie in einer jeder Großstadt – ist das oberflächliche Netz, indem wir uns tagtäglich bewegen und welches Baudelaire als „Ennui“ bezeichnet. Diese Sphäre – bestehend aus einer Ansammlung indifferenter, fremder Personen – erzeugt einen starken Gegensatz zwischen unserem Inneren und dem Äußeren. Das nicht zu vermeidende Ergebnis in großen Städten: Langeweile und Ignoranz!

Schwierig wird es, wenn wir eigentlich spenden wollen, aber nicht mehr wissen, wem wir was geben sollen und möchten. Im Alltag sind wir durch die Überkomplexität überfordert und das resultiert oftmals darin, dass wir keinem mehr was geben (können).

Weshalb sollten nicht auch Bettler zu Strategien der Aufmerksamkeit greifen und sich positionieren? Denn woher wissen wir warum wir dem Bettler am Kotti Geld für Essen (oder was auch immer) geben, und dem Bettler eine Ecke weiter aber nicht? Der Bettler muss eine Botschaft übermitteln und einen Zugang zu seinem Inneren herstellen, um sich von der Sphäre der Oberflächlichkeit zu unterscheiden. Die meisten Menschen eilen in wenigen Sekunden an ihnen vorbei, selbst wenn man mehrmals täglich vorbeiläuft. Eine tiefere Beschäftigung findet leider selten statt.

Die ersten Freestyle-Bettler:

Warum nicht die neuen partizipativen Möglichkeiten des Internets nutzen, in dem schließlich prinzipiell jeder zu Wort kommen kann? So machten es bereits die beiden Lazybeggers Lyndon Owen und José Manuel Calvo vor: “Wir sind Bettler des 21. Jahrhunderts“. Auf ihrer Website erhält man Einblicke in das Leben der zwei Cyber Bettler. In Fotogalerien kann man ihre Freunde, Hunde und die Bilder ihrer Reise bestaunen. Man erhält eine Ahnung von dem Leben der Bettler, ihren Persönlichkeiten und kann sich davon unterhalten lassen. Durch das Einbauen von Paypal ist der Schritt zum Spenden nicht weit. Die Facebook-Seite liefert aktuelle Infos über Owen und Calvo.

Chris Coon aus New York machte mit dem Projekt „Ask a Million“ sein Schicksal ebenfalls zum Beruf, was er als Social Experiment bezeichnet. Coon bittet nicht nur um Geld, sondern erhebt zudem noch Informationen, wie Alter, Geschlecht und Einkommen des Spenders. Er protokolliert wer ihm auf der Straße einen Dollar spendet und veröffentlicht seine Ergebnisse online. Zudem erfährt man mehr über die Geschichte von Chris Coon, seinen Lebensweg und seine Hürden. Durch diese Einblicke in seine Persönlichkeit schafft er einen emotionalen Zugang zu sich. Er nutzt sogar die Möglichkeit zweckgebundene Spenden zu generieren: wer möchte kann für einen Walmart-Gutschein spenden oder für Jacken und Schuhe (das Prinzip der zweckgebundene Spende wendet auch betterplace.org erfolgreich an).

Das Web als digitale Straße?

Transparenz der Spende trifft auf emotionalen Zugang. Das Internet, als dritter Raum zwischen Innen und Außen, kann es schaffen die großstädtische „Ennui“ zu überwinden. Neben Spenden können sich Obdachlose zudem ein Gehör für ihre Themen und Anliegen schaffen. Im Grunde könnte das Web zu einer metaphorischen „U1“ mit vielen Spenden-Buttons statt leeren Coffee-To-Go-Bechern und Pappschildern werden. Mit dem Unterschied, sich – ohne Eile – die Zeit nehmen zu können, sich mit den Personen, ihrem Leben und dem Verbleib der Spende zu beschäftigen.

Bedingung dafür ist jedoch die Sozialisierung von Obdachlosen mit dem Medium Internet und der Öffnung des viralen Raums für alle. Internetzugang und der Erwerb der entsprechenden Kenntnisse sind dafür im ersten Schritt nötig. Dank immer einfach werdenden Content-Management-Systeme und Bezahl-Systeme sollte es dann möglich sein, sich sein eigenes Sprachrohr zu schaffen. Die Initiative von Nachhaltigkeitsguerilla e.V. über kostenlosen Internetzugang für Obdachlose setzt hier an und ist bereits ein erster Schritt!

Was jedoch kein Medium dieser Welt jemals ersetzen kann, ist der erfreute Blick, nachdem man einen Euro in den leeren Coffee-To-Go geschmissen hat oder sein belegtes Brötchen abgegeben hat. Und dafür lohnt es sich doch nach wie vor, in der U1 den Blick zu heben, wenn es wieder heißt: „Wer kann Kleingeld für eine warme Mahlzeit geben?“

Jetzt seid Ihr gefragt: Funktioniert der Fliegende Kaffee eigentlich…?

Wir berichten in diesem Blog ja immer wieder mal von unserem Projekt “Der fliegende Kaffee” (vgl. www.fliegender-kaffee.de). Wie mir gesagt wurde, ist längst nicht bei allen teilnehmenden Cafés ein Aufkleber vom Fliegenden Kaffee an der Tür, so dass Passanten ja gar nicht wissen können, dass dieses Café mitmacht… Oha? Falls Ihr mal in der Nähe von eines der Cafés seit, die unter www.fliegender-kaffee.de zu finden sind, schaut doch einfach mal, ob ein Aufkleber an der Tür ist und wenn nicht, was eigentlich passiert, wenn Ihr einen fliegenden Kaffee bestellt (ach ja, und berichtet uns…!) Merci!


(Dieser Herr hat alles richtig gemacht, und den Aufkleber vom Fliegenden Kaffee an sein Schaukasten geklebt. Gut gemacht! Bildquelle: eigene)

Die Company als guter Nachbar

Corporate Citizenship is the key. Stakeholder Value is the secret.

Im Jahre 2004, als frischgebackener Diplom-Kommunikationswirt, ging ich mit meinem tollen Konzept hausieren. Meine Mission: “Business-TV zur Steigerung des Stakeholder Values”. Zurerst muss mal herausgefunden werden, welche Ansprüche bestehen bei den Stakeholdern einer Company. Was will also das Volk von dem Unternehmen (ausser natürlich deren scharfen Produkte kaufen)? Wie kann sich eine Unternehmung abheben von der Konkurrenz? Wie auf sich aufmerksam machen, aber vor allem auch: Wie kann sich ein Unternehmen als guter Nachbar positionieren?

Corporate Citizenship is the Key.

Klar, das ist nichts Neues und jede Company hat das lääängst begriffen – jedenfalls die Abteilung für Corporate Citizenship und der Vortragende bei dem “Nachhaltigkeitscamp der DAX-Leader”.

Doch the real world spielt ein anderes Spiel.

Letztens gehe ich doch mit der Hohenschönhausener Roller-Crew von Geschäft zu Geschäft, um ein paar Preise für die Gewinner der Rolli-Meisterschaft zu akquirieren und, naja, das ‘Gute-Nachbar-Geschäftsmodell-aus-der-Chefetage’ ist noch nicht angekommen, meine Herren (laut Corporate Behaviour müsste es wohl ‘meine Damen und Herren aus der Chefetage’ heissen, aber das mit der Geschlechtergleichberechtigung wird wohl ebenso ein Fake sein, wie die Corporate Citizenship Lüge), denn der gestresste Lxdl-Manager empfing unsere Rolli-Crew mit den Worten “sowas machen wir gar nicht” (und das, obwohl es sich um eine Flasche Wein für den Sieger handelte, die wir als Sponsoringleistung gern empfangen hätten). Der Rxwe-Bursche war da schon zuvorkommender: “Ja, ich gebe Euch zwei Präsentkörbe, wenn Ihr uns ein paar Zeitungsausschnitte für unsere Aussendarstellung gebt”. Mit dem B. Z. – Artikel, “Wer rollt mit uns um die Wette?” in der Tasche, sollte es dann stolz in Richtung Rxwe gehen, doch dann kam der Anruf: “Wir ziehen unsere Präsentkörbe doch zurück – dürfen wir nicht”. Aha? Dürfen sie also nicht…

Komisch, dabei fordert ihr Chef doch lautstark eine Revolution im Lebensmittelhandel – CSR als Top-Thema (vgl. CSR-News unter diesem Link: http://csr-news.net/main/2008/06/19/rewe-chef-fordert-revolution-im-lebensmittelhandel-nachhaltigkeit-das-top-thema/

Hey Chef, kannste mal in der Filiale in Hohenschönhausen anrufen? Ein, zwei Präsentkörbe für die Gewinner des Rolli-Geschicklichkeits-Parcoures wären schon schön ;)

Viva la Revolution! Ach, ich nutze die Gelegenheit, um “Prince and the Revolution” zu promoten – und Prince meinte gewiss nicht die gefakte CSR-Revolution vom Rewe-Chef!

Prince – A Case of You [Live 1983] von Vilosophe

Renate never sucks

‘Renate never sucks’ ist das Erste, was mir einfällt, wenn ich die neuen Werbeplakate der Grünen sehe. Und das, obwohl die Nachhaltigkeitsguerilla prinzipiell ja eher Grünen-nah ist… Renate sorgt sich. Renate arbeitet. Ach toll, was die neue Übermutti Theresa so alles macht. Nur das Saugen, das überlässt sie wohl eher anderen, oder?

(Bild: ‘Renate saugt nimmer’ bzw. ‘Renate never sucks’)

Hier geht es zu den Motiven der Kampagne: http://gruene-berlin.de/wahl2011/kampagne

…ach ja, ‘wir müssen ran an den Busen’ gehört wohl auch zur Kampagne. Ojemene, sind da immer noch die Goldenen Hirschen für zuständig? Kann ich mir nicht vorstellen, die müssen noch die Werbeagentur gewechselt haben, oder?!